Heimatverein Aldekerk
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Fotoausstellung "MEINERZEIT" ein voller Erfolg

Überaus gut besuchte Fotoausstellung in der Heimatstube
 
 
Mit Genugtuung blickt der Heimatverein auf seine sehr gut besuchte-Ausstellung „Meinerzeit“ über die Fotografen Hoever in der Heimatstube zurück. An den Septembersonntagen den 13., 21. und 28. bot die Heimatstube vielen Bewohnern aus Aldekerk und Umgebung einen geschichtlichen Rückblick in das Leben der Bewohner im südlichen Teil derehemaligen Vogtei Geldern in dem Zeitraum von 1850 bis 1980. Und viele kamen. Insgesamt haben über 630 Personen die Ausstellung besucht und die ausgezeichnete Gelegenheit genutzt, ihre Erinnerungen aufzufrischen oder etwas vom früheren Dorfleben zu erfahren. Sie bot besondere Aspekte unserer engeren geschichtlichen Heimat.
Seit mehr als 1000 Jahren gibt es - wenn auch seit der Franzosenzeit um 1800 nur noch im Sprachgebrauch der Bewohner — die Vogtei Geldern, deren Verwaltung dem Grafen und späteren Herzog von Geldern oblag und seit der Schlacht von Woningen sein Eigentum war. Die Zentrale bildeten die Gemeinden Aldekerk und Nieukerk, die mit ihrem ehemaligen Umland sich in unserer Zeit seit 1969 Gemeinde Ketten nennen muss. Bis zum 18. Jahrhundert war die Vogtei als landwirtschaftlich geprägtes Bauernland durch seine eigenartige geographische Dreiecksform, wie auch durch seine geschichtliche Herkunft politisch und sprachlich ein abgeschlossenes Ganzes. Und in all den vergangenen Jahrhunderten gab es in ihr immer wieder rege Familiengründungen unter den Ortschaften, gefördert durch die Nähe, die gemeinsame Sprache und die gleiche Arbeitsweise in Landwirtschaft und Handwerk. Viele verwandtschaftliche Bande sind in den Jahrhunderten entstanden.
 
Das wurde noch ausgeprägter mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Durch die verstärkte Mobilität weitete sich der Lebenskreis der Einwohner, bei uns insbesondere seit dem Jahre 1863 durch die Eisenbahn. Die Erfindung des Fahrrades und die nachfolgende Motorisierung damals stärkten die persönliche Mobilität, förderten den Individualismus und machten die Menschen unabhängiger von Ort und Zeit.
 
Unter denen, die ihren Wohnort damals wechselten, um anderenorts eine neue Existenz zu gründen oder einzuheiraten, gehörte im Jahre 1825 der Nieukerker Matthias Hoever. Er heiratete damals Katharina Gertrud Haffmanns von der Bäckerei und Landwirtschaft auf der Hochstraße in Aldekerk, heute Gastwirtschaft Zille. Gemeinsam kaufte das junge Ehepaar das Haus Nr. 72 auf der Hochstraße und richtete dort eine Bäckerei ein. Es steht neben der Heimatstube und beherbergt heute die Post.
 
Ein Enkel des Gründers der „Hoever Dynastie“ in Aldekerk, nämlich Matthias Hoever, geb. im Jahre 1867, heiratete im Jahre 1893 Gertrud Loyens und übernahm die Bäckerei des Schwiegervaters schräg gegenüber der väterlichen Bäckerei, die dieser im Jahre 1868 aus einem Kleinhandel in einen Lebensmittelbetrieb umgewandelt hatte. Ob die nahe Konkurrenz der Verwandtschaft gut getan hat, mag hier dahin gestellt sein. Zur Unterscheidung nannten von da an die Aldekerker die alte Bäckerei im Hause 72 „AIt-Hoever‘!. Der letzte Besitzer war bis vor wenigen Jahren Willi Werner.
 
Dieser Enkel Johannes Matthias des Gründers der Aldekerker Hoever-Linie war ein rühriger Bäckermeister mit etlichen musischen Ambitionen. Er pflegte schon als Junge die damals noch in den Kinderschuhen steckende Fotografie. Er war ein begeisterter Fotograf. Aus seinem Hobbyraum wurde nach und nach ein richtiges Fotoatelier mit Licht durchfluteter Glaswand und mehreren Kulissenbildern auf Rollos. Die hölzerne Kamera ist vielen Aldekerkern noch in guter Erinnerung. Stand sie doch später im Atelier seines ältesten 1895 geborenen Sohnes Josef im Haus nebenan, der das Hobby seines Vaters zu seinem Beruf gemacht hatte, allerdings mit der Auflage, seinem jüngeren Bruder, dem 1907 geborenen Hermann bei Bedarf in der Backstube zu helfen, denn auch Josef hatte das Bäckerhandwerk gelernt.
 
Dieser war nicht nur ein ausgezeichneter Fotograf. Wer von uns Alten erinnert sich nicht an das gewohnte Bild „Josef Hoever mit der kleinen Holzkamera und dem langen hölzernen Stativ auf dem Fahrrad“ auf dem Weg zwischen Rheurdt und Wachtendonk, Stenden und Nieukerk zu einer Familienfeier oder einem Vereinsereignis. Welche Familie in unserer Gegend hat nicht Fotos der Hoevers in ihren Alben? Dazu pflegte er als ein besonderes Talent den kunstvollen Umgang mit Pinsel
und Malerpalette. Gelungene Porträts und heimelige Landschaftsbilder sind von ihm in Oel festgehalten. In allen Bildern und Fotos wird sein Streben sichtbar, das Auge des Betrachters für mehr zu öffnen als der erste Blick erlaubt Mit Herz und Auge sehen.
 
Sein Sohn Josef, 1925 geboren, trat in seine Fußstapfen. Schon als Junge krönte er seine besondere Fähigkeit, Raum, Licht und Thema zu einer geschlossenen Einheit im Fotobild festzuhalten, mit vielen Preisen bei Fotowettbewerben. Ihm war es nicht vergönnt, den väterlichen Betrieb zu übernehmen.
 
Ein Fotoladen im Dorf ernährte nicht mehr den Inhaber. Schon der weise Seneca sagte vor mehr als zweitausend Jahren „Non est astra mollis e Terris via!“ „Der Weg von der Erde zu den Sternen ist nicht eben!“ Das musste auch Josef Junior erfahren, der seinen Beruf fern von Aldekerk, seinem geliebten Heimatort, ausübte und im Jahre 1989 allzu früh starb.
 
Diesen Hoevers verdanken wir heute eine unbezahlbare und kostbare Fotochronik. Werner Hoever übergab dem Heimatverein aus einer über alle Jahre angesammelten Fülle von Glasbild-Negativen mehrere hundert, bevor auch sie zu Scherben zu zerschellen drohten.
 
Was in der Heimatstube ausgestellt war, waren über 200 Fotos. Mehr waren hier nicht unterzubringen. Willi Deloy, der wie jener Matthias die Fotografie als sein sehr beachtliches Hobby seit Jahrzehnten liebevoll pflegt und die Bildchronik des Heimatvereins hütet, reproduzierte oder entwickelte die Fotos aus dem ehemaligen Hoeverschen Archiv, die einen sehr anschaulichen Rückblick auf das Dorf-, Familien- und Vereinsleben der Zeit von 1870 bis 1980 im südlichen Teil der Vogtei Geldern geben, deren ersten Teil der Heimatverein hier heute vorstellt. Eine zweite Ausstellung ist geplant.
 
Die Auswahl traf der Geschichtskreis des Heimatvereins und stellte diese Ausstellung zu dieser Ausstellung zusammen. Dankbar sind wir für fehlende Wissenslücken, auf die uns kundige Betrachter aufmerksam gemacht haben.
 
Familienfeste aus den vergangenen 150 Jahren, Gebäude, Straßen, Lebensabschnitte im Leben der Menschen, Soldatenzeit, Vereinsleben, Nachbarschaftspflege, Schulwesen und Verwahrschulen, Dorffeste und Jubiläum sind von den Hoevers aus dem ganzen südlichen Teil der Vogtei festgehalten worden, die uns Heutigen wertvolle Dokumentationen einer vergangenen Zeit sind. Meisterhafte Porträtsaufnahmen, die in der damaligen Zeit sehr beliebt waren, gaben Einblicke in die persönliche Lebensweise der damaligen Menschen. In der Reihenfolge waren bestimmte Abschnitte gekennzeichnet worden: Gebäude, Porträts, Familien, Jugend, Bruderschaftswesen, Arbeit und Arbeitsweisen.
 
Den Hoevers gilt unser Dank! Und dem Heimatverein Anerkennung für eine sehr gut besuchte Ausstellung


 
  Matthias Hoever 1867 - 1938
 
              
  
Auch viele der heutigen Hoever-Generation wie hier Rose Hoever und die vier                    
Enkel des Matthias Hoever, Geschwister Hoever von der ehemaligen Bäckerei
(vi.), fanden großen Gefallen an der gelungenen Darstellung der Familien- und
Dorfchronik. Fotos. W. Sommer



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