N E U I G K E I T E N

Besuch unserer Freunde aus Neeroeteren am 13. Januar 2026 in der Heimatstube

Die Heimatstube wurde gleich zu Jahresbeginn wieder ein Ort der besonderen Begegnung.

Am 13. Januar besuchten die drei Mitglieder des Heimatvereins Wotra Neeroeteren, Ronny Witting (Vorsitzender), Jean Flipkens und Martin Prils unsere Gemeinde. Zuerst wurden sie in Nieukerk von Nicole Sillekens im Archiv empfangen und erhielten eine fachkundige Erklärung über dessen Funktionsweise. Danach durften sie einen Blick in die Archivräume werfen. Die drei Besucher zeigten sich beeindruckt von dem klimatisierten System, das die Archivalien aufnimmt. Ronny: „Met 1 vinger kon je meer dan 2 ton archiefstukken bewegen, prachtig.“

Anschließend folgten die drei der Einladung der Archivgruppe des Heimatvereins nach Aldekerk in die Heimatstube. Die Restaurierung des Fachwerkhauses auf der Hochstraße 70, das in der Urform auf das Jahr 1651 zurückgeht, erläuterte Hans Friedrich den staunenden belgischen Kollegen. Die Holzkonstruktion des denkmalgeschützten niederrheinischen Bürgerhauses gefiel ihnen ganz besonders.

Nach einer kleinen Einführung und Erklärung ihrer Arbeitsweise erzählte Ronny von seinen Forschungen zu den miteinander verwandten jüdischen Familien Gerson und Kaufmann. Bereits vor einem Jahr, am 31. Januar 2025, hatte Ronny die Fahrt nach Aldekerk angetreten, um die Zeitzeugen René Kaufmann und seine Schwester Malina in der Mensa der Robert-Jungk-Gesamtschule zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Die Familien flohen infolge der zunehmenden Repressionen im Jahr 1939 nach Belgien ins Exil und wohnten in Neeroeteren. Im Oktober 1942 wurde die Familie Gerson nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Sehr bewegend war es daher, als Christa Brauers zwei aus einer Haushaltsauflösung gerettete kleine Vasen aus dem ursprünglichen Besitz der Familie Gerson zu treuen Händen an Nicole Sillekens und das Gemeindearchiv übergab. Ronny: „Es macht mir Gänsehaut, einen Gegenstand in den Händen halten zu dürfen, der einst zu dieser Familie gehörte.“

Thea Mündelein berichtete von ihrer Mutter, die als Näherin im Haushalt der Familie Gerson beschäftigt war und nach der schweren Geburt des ersten Kindes sehr krank darniederlag. Jeden Tag kam in dieser schweren Zeit Frau Gerson zu Besuch und brachte etwas zu essen mit. „Meine Mutter sagte immer, dass ihr Frau Gerson das Leben gerettet hat.“ Thea ist eine Vortragskünstlerin, die wirklich ihre Muttersprache, so wie sie in ihrer Kindheit in Aldekerk auf allen Straßen gesprochen wurde, mit viel Gefühl und Wärme wiedergeben kann. Besonders gefiel es Ronny, Jean und Martin, als Thea das Gedicht „Mijn Muodersproak“ von Schäng Mevissen vortrug. Ronny: „Mevrouw Thea bracht een gedicht te gehore in het Aldekerks dialect, dit had verdacht veel van ons dialect weg, prachtig om te horen.“

Die Archivgruppe bedankt sich bei Ronny und seinen Kollegen für den schönen Besuch und die Gastgeschenke, darunter das Jahrbuch 2025. Jedes Jahr veröffentlicht der Heimatverein Wotra Neeroeteren seine Forschungsergebnisse , u. a. historische Dokumentationen und Interviews mit Zeitzeugen, in einem Buch. Für den Sommer 2026 ist schon ein Gegenbesuch zugesagt.

Met vriendelijke groeten aan de voorzitter Ronny Witting en zijn collega’s.

Hier der Link zu der Website des Heimatvereins Wotra Neeroeteren: wotra.de

Hier einige Fotos vom Treffen in der Heimatstube